Vorsatz
Ich gehe ins Bett, solange es noch heute Abend ist
@moonstill Narrated by Paul Rigby 2:04 25 shots
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Ich gehe ins Bett, solange es noch heute Abend ist und nicht schon morgen. Das Haus ist in seiner späten Stille. Ich bleibe dabei, denn die Version von mir, die morgen auftaucht, wird gerade jetzt entschieden, in diesen bestimmten fünfzehn Minuten, und an keinem Punkt des morgigen Vormittags. Morgen früh darf ich nur mit dem arbeiten, was mir hier mitgegeben wird.
Die Lampe ist aus, und die Straße tut sehr wenig. Von hier aus ist morgen noch weit weg, und genau darum geht es beim so frühen Hinlegen. Da ist ein Buch, das ich nicht aufgeschlagen habe, und das ist völlig in Ordnung für mich. Das Haus hat diesen bestimmten gesetzten Klang, den es hat, wenn alles darin für heute fertig ist.
Ich bleibe für die Stunden auf, die niemand von mir will, und bezahle sie dann mit einer Version von mir, mit der alle zurechtkommen müssen. Das ist ein schlechter Wechselkurs, und ich fahre ihn seit Jahren, ohne ihn ein einziges Mal aufgeschrieben zu haben. Die späten Stunden fühlen sich wie die einzigen an, die wirklich mir gehören, und genau deshalb verteidige ich sie so schlecht. Ich ruhe in ihnen nicht. Ich nehme einen Kredit auf morgen auf und nenne das Freiheit, und die Zinsen dafür bezahlen andere Leute, die den Bedingungen nie zugestimmt haben.
Der Abend wird mir nicht gestohlen. Ich gebe ihn aus, und in dem Moment, in dem ich das so sehen konnte, konnte ich anders wählen, ohne mich um irgendetwas gebracht zu fühlen. Diese eine Umdeutung hat mehr geleistet als jede Menge Vorsatz je geschafft hat. Müdigkeit kommt nicht an und meldet sich als Müdigkeit. Sie kommt als Ungeduld an, als kürzere Zündschnur, als Entscheidungen, die ich sonst nicht treffen würde, und all das gebe ich an die Menschen um mich herum weiter und nenne es dann einen schlechten Tag, als wäre er aus dem Nichts gekommen. Die Kosten davon landen nie nur bei mir, und genau das hat mich schließlich bewegt.
Also stelle ich einen Wecker für die Schlafenszeit, nicht nur für den Morgen. Einen Wecker, zu der Stunde, an der ich immer wieder vorbeisegle, ohne zu merken, dass ich es tue. Der Wecker ist keine Regel, die ich mir auferlege, und keine Strafe. Er ist Information, die in dem einen Moment eintrifft, in dem ich die Zeit verlässlich nicht selbst im Blick habe.
Im Bett, mit Absicht, solange es noch heute Abend ist. Morgen bekommt eine bessere Version von mir.